Curiosity across the adult lifespan
Whatley, Murayama, Sakaki & Castel — Age-related differences in state and trait curiosity
Die Studie unterscheidet zwei Formen der Neugier und verfolgt, wie sie sich über die Lebensspanne entwickeln. Trait Curiosity — die stabile Grundhaltung, generell offen für Neues zu sein — sinkt mit dem Alter. State Curiosity — das situative Kribbeln, eine konkrete Frage beantwortet haben zu wollen — steigt. Diese Gegenläufigkeit ist der Kernbefund. Er zeigt, dass Neugier und Alter kein einfaches Entweder-oder sind.
Lifespan-Stichprobe: 1.218 Erwachsene zwischen 20 und 84 Jahren (Amazon Mechanical Turk, USA). Trait Curiosity wurde mit der Epistemic Curiosity Scale gemessen — zehn Selbstauskunft-Items („Ich genieße es, neue Ideen zu erkunden" u. ä.). State Curiosity wurde über 63 zufällig ausgewählte Trivia-Fragen erfasst: Die Teilnehmenden bewerteten auf einer Skala von 1–10, wie neugierig sie auf die jeweilige Antwort waren — bevor diese eingeblendet wurde. Auswertung via multipler Regression und Mixed-Effects-Modellen, kontrolliert für Bildung, Einkommen, Geschlecht und Ethnizität.
Neugier ist keine Einheitsgröße, die gleichmäßig zu- oder abnimmt. Ältere Erwachsene werden selektiver, nicht pauschal unneugieriger. Ihr reiches Vorwissen erzeugt präzisere Wissenslücken — und damit intensivere situative Neugier dort, wo etwas andockt. Für Weiterbildung bedeutet das: Breite Angebote ohne Anknüpfungspunkt verschenken genau das Potenzial, das diese Gruppe mitbringt. Nicht mehr Stoff, sondern bessere Andockpunkte. State Curiosity entsteht dann von selbst.
Whatley MC, Murayama K, Sakaki M, Castel AD (2025). Curiosity across the adult lifespan: Age-related differences in state and trait curiosity. PLOS ONE, 20(5): e0320600. doi.org/10.1371/journal.pone.0320600